Überblick Nr. 4, Dezember 2008

Tagungsdokumentation: Akzeptieren oder konfrontieren?

Überblick Nr. 4, Dezember 2008

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Wider das Vogel-Strauß-Prinzip

Zum Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen, Düsseldorf 2007

Wider das Vogel Strauß Prinzip

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Akzeptierende Jugendarbeit mit rechtsextremen Jugendlichen

Ausgrenzen, tabuisieren, (Straftäter) wegschließen, Jugendliche aus rechten Cliquen herausholen, Ausstiegswillige unterstützen, Rechtsextremismus der gesellschaftlichen Mitte politisch ächten, die Mehrheit sensibilisieren und immunisieren ...? Es gibt zahlreiche pädagogische, bildungspolitische und gesamtgesellschaftliche Ansätze zur Bekämpfung von Rechtsextremismus. Hinter jeder Strategie stehen implizit oder explizit Annahmen über das wesentliche Problemfeld und die Ursachen von Rechtsextremismus.

Pädagogische Arbeit gilt im Allgemeinen als notwendiger Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Strategien gegen Rechtsextremismus. Zielgruppenspezifisch wurde hierfür eine "Vielfalt innovativer Strategien" (Schubarth 2001, S. 261) entwickelt. Neben zahlreichen präventiven Ansätzen für "Normaljugendliche" zählen hierzu auch pädagogische Ansätze für die Arbeit mit rechtsextremen Cliquen.

Das Bremer Modell der Akzeptierenden Jugendarbeit

Ausgrenzen, tabuisieren, (Straftäter) wegschließen, Jugendliche aus rechten Cliquen herausholen, Ausstiegswillige unterstützen, Rechtsextremismus der gesellschaftlichen Mitte politisch ächten, die Mehrheit sensibilisieren und immunisieren ...? Es gibt zahlreiche pädagogische, bildungspolitische und gesamtgesellschaftliche Ansätze zur Bekämpfung von Rechtsextremismus. Hinter jeder Strategie stehen implizit oder explizit Annahmen über das wesentliche Problemfeld und die Ursachen von Rechtsextremismus. Pädagogische Arbeit gilt im Allgemeinen als notwendiger Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Strategien gegen Rechtsextremismus. Zielgruppenspezifisch wurde hierfür eine "Vielfalt innovativer Strategien" (Schubarth 2001, S. 261) entwickelt. Neben zahlreichen präventiven Ansätzen für "Normaljugendliche" zählen hierzu auch pädagogische Ansätze für die Arbeit mit rechtsextremen Cliquen. Der bekannteste sozialpädagogische Ansatz für diese Zielgruppe ist die sogenannte Akzeptierende Jugendarbeit, die Ende der 80er Jahre von dem Pädagogen Franz Josef Krafeld an der Universität Bremen entwickelt wurde. Von Anfang an wurde das Konzept in der (Fach)Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Kritisiert wurde, dass der Ansatz auf falschen Prämissen basiere, das Phänomen Rechtsextremismus entpolitisiere und das Risiko beinhalte, Rechtsextremismus zu stabilisieren, statt einzudämmen. Die Diskussion machte die Grenzen der Arbeit mit rechtsextremen Jugendcliquen deutlich und führte zu einer Präzisierung des Ansatzes mit dem neuen Schlüsselbegriff der Gerechtigkeitsorientierung: Mit dem Begriff der Gerechtigkeitsorientierten Jugendarbeit wird die gesellschaftspolitische Dimension und die notwendige Auseinandersetzung mit Ideologien der Ungleichheit (im Sinne von Ungleichwertigkeit) sowie der entsprechenden Gewaltakzeptanz stärker betont....