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Neu Kinder- und Jugendarbeit zu rassismuskritischen Orten entwickeln. Anregungen für die pädagogische Praxis in der Migrationsgesellschaft 2016

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Überblick Nr. 4, Dezember 2016

Schwerpunkt: Blick zurück nach vorn

Rechtsextremer Sprachjargon mit Symbolcharakter

CspracheDie rechtsextreme Szene hat sich einen eigenen Sprachgebrauch zugelegt. So sind teilweise Anglizismen verpönt, werden geographische Bezeichnungen wie "Mitteldeutschland" im Sinne der eigenen Ideologie umgedeutet und angebliche "Volksfeinde" mit einer Vielzahl von Begrifflichkeiten diffamiert. Entstanden sind überdies zahlreiche Zahlen- und Buchstabenkürzel, die für Außenstehende kaum zu deuten sind. Um z. B. in Deutschland verbotene Grußformeln wie "Heil-Hitler" oder "Mit deutschem Gruß" zu umgehen, werden Kürzel wie "88" oder "MDG" verwendet. Manche dieser Codes sind in der Szene weit verbreitet, andere entspringen nur der Phantasie einzelner Gruppen bzw. Personen und werden nur vor Ort verstanden:

So verteilte der bekannte nordrhein-westfälische Neonazi Siegfried Borchard ("SS-Siggi") anlässlich einer Demonstration ein Flugblatt mit der Losung "3 zu 1 für Deutschland", mit dem er nicht etwa auf ein Fußballergebnis anspielte, sondern auf einen Neonazi, der drei Polizisten erschossen hatte. Auf einen "gefallenen Rechten" (der Täter erschoss sich nach dem Dreifachmord) sollten gemäß dieser Losung drei tote Vertreter des "Systems" kommen! Ein derartiger Zynismus wurde nicht in NRW erfunden: US-amerikanische Neonazis schufen mit der Zahlenkombination "168:1" einen in der international vernetzten rechtsextremen Szene weit verbreiteten Code für den Sprengstoffanschlag des rechtsextremen Attentäters Timothy Mc Veigh in Oklahoma/USA, bei dem 1995 168 Menschen getötet wurden. Der Attentäter wurde zum Tode verurteilt und 2001 hingerichtet. In zynischer Verherrlichung dieses insbesondere antisemitisch motivierten Terroranschlags gibt der Code das "Resultat" wieder.

S3S4Rechtsextreme der verschiedenen Couleur verstehen sich selber als Vollstrecker eines wie auch immer gearteten "Volkswillens" einer schweigenden Mehrheit. "Widerstand" bzw. "Nationaler Widerstand" gegen das "System" ist dementsprechend eine zentrale Losung der rechtsextremen Szene, die sich auch als Druckmotiv oder Anstecker im Dresscode widerspiegelt. Nicht wenige Parolen der extremen Rechten sind mit Veränderungen und ideologischen Umdeutungen von der politischen Linken übernommen worden. So bezeichnet sich die NPD in Anlehnung an die "Außerparlamentarische Opposition" (APO) der 1960er Jahre als Speerspitze einer "Nationalen Außerparlamentarischen Opposition" (NAPO) und wird auf rechtsextremen Veranstaltungen das "Hoch der nationalen Solidarität" skandiert. Auch das Konzept der "National befreiten Zonen" hat eine Vorgeschichte: Die Forderung "Schafft befreite Zonen" geht auf die lateinamerikanische Guerilla zurück, nach der die (diktatorische) Staatsmacht in den befreiten Gebieten faktisch ohne Einfluss werden sollte.

S5Das rechtsextreme Spektrum reicht von gewalttätigen Skinheadgruppen über demokratiefeindlich agitierende Neonazis in sog. Kameradschaften bis hin zu sich staatskonform gebenden und an Wahlen teilnehmenden Parteien. Gemeinsam ist diesem Spektrum eine ausgeprägte Feindschaft gegenüber Andersdenkenden und "Nichtdazugehörigen", die sich auch im Sprachjargon widerspiegelt: Mit verschiedenen diffamierenden Begriffen werden die "Feinde" als "undeutsch" und "unwert" stigmatisiert. Bernd Wagner fasst diese Feindbildpalette mit folgenden Worten zusammen: "Die 'Oberfeinde' sind die sogenannten 'Kanacken' und 'Zecken'. Die ersten gelten als phänotypische 'Undeutsche', die zweiten als 'Undeutsche' nach Ideologie und Kultur. In jedem Fall ist ihre 'Bekämpfung' in den Augen der Szenevertreter moralisch legitim, weil sie als apokalyptische Verderber des 'Deutschen' gelten. Zu den 'Feinden' gehören weiter: Juden, 'Popen', Schwule, 'Kinderficker' und andere 'Abartige', 'Assis' oder 'Asseln', 'Mukus' (Multikulturelle), 'Politbonzen' und 'Systembullen', 'Freimaurer' und 'Illuminaten'. Auch 'genotypisch Behinderte' finden als 'unwertes Leben' keine Gnade."(1)

Antisemitismus ist ein konstituierendes Merkmal des Rechtsextremismus, der in Angriffen gegenüber Juden und Jüdinnen, Schändungen jüdischer Friedhöfe und abstrusen Weltverschwörungsmythen deutlich zum Ausdruck kommt. Häufig zeigt sich der Antisemitismus aber nur verdeckt über Chiffren und Codes wie eine "gewisse Minderheit", "Amerikanische Ostküste", "USrael" oder "ZOG", die für Eingeweihte sofort verständlich sind. Mit dem Begriff "Ostküste" ist nicht die Ostküste der USA im geographischen Sinne gemeint, angespielt wird damit vielmehr auf in New York ansässige jüdischen Organisationen, die in der antisemitischen Propaganda für alle erdenklichen gesellschaftlichen und internationalen Entwicklungen verantwortlich gemacht werden. Im antisemitischen Verschwörungsdenken steht die Chiffre "USrael" für angeblich geheimnisvolle Verbindungen zwischen den USA und Israel. Die Abkürzungen "ZOG" bzw. "JOG" stehen für "Zionist Occupied Government" bzw. "Jewish Occupied Government" ("zionistisch bzw. jüdisch besetzte Regierung") und wurden von US-amerikanischen Rassisten und Rassistinnen übernommen. Eingedeutscht wird "ZOG" auch von manchen als "Zionistische Okkupations Gewalt" übersetzt. Das Kürzel wird in der deutschen rechtsextremen Szene über Texte, Bilder und Lieder verbreitet und ist Vorbild für diverse Varianten mit antisemitischen Gehalt: So wurden auf dem Bundesparteitag der NPD im Oktober 2004 Plakate ausgestellt, auf denen das ZDF als "Zionistische Desinformations-Fabrik" bezeichnet und die USA als "Jew ess ey" buchstabiert wurden.

Ein anderes Beispiel ist die Bezeichnung "Illuminati" bzw. "Illuminaten", mit der Verschwörungstheoretiker auf die unterschiedlichsten, die Welt beherrschenden Geheimbünde verweisen. Eine Renaissance erlebten antisemitische Verschwörungstheorien Mitte der 1990er Jahre insbesondere mit Buchveröffentlichungen des rechtssextremen Esoterikers Jan Udo Holey (alias Jan van Helsing). Er fantasierte in seinen Büchern eine Jahrhunderte alte Weltverschwörung der "Illuminaten", worunter er u. a. Freimaurer und Juden wie das jüdische Bankhaus Rothschild subsumierte. Seine Schriften wurden bereits 1996 wegen Volksverhetzung beschlagnahmt. Zahlreiche Bücher und Videos, die in den nachfolgenden Jahren von esoterischen oder rechtsextremen Szene-Verlagen veröffentlicht wurden, knüpfen an die bisarre Weltsicht Van Helsings an.

S6In Druckwerken und Liedtexten rechtsextremer Parteien und Gruppen tauchen immer wieder geographische Bezeichnungen mit Bezügen zum "Großdeutschen Reich" auf: So wird "Mitteldeutschland" als Bezeichnung für die ostdeutschen Bundesländer benutzt, weil "Deutschland" für die extreme Rechte bis nach Ostpreußen reicht. Die "Ostmark" steht nach einem Sprachgebrauch Hitlers für Österreich und gehört im rechtsextremen Weltbild ebenfalls zu den "deutschen Landen".

S8Manche Worte sind aufgrund ihrer Betonung bzw. Schreibweise ( z. B. Doitschland, Froide oder Patrioiten) sprachliche Symbole mit Bekenntnis zum rechtsextremen Spektrum. Die Buchstaben "oi" finden sich in Texten, auf CD-Covern oder als Aufnäher auf Jacken und wer "Doitsche" als Begriff in eine Internet-Suchmaschine eingibt, kommt auf eine Fülle von Seiten, die rechtsextremes Gedankengut beinhalten. Zahlreiche Rechtsrock-Gruppen transportieren dieses Kürzel in ihren Band-Namen (z. B. Doitsche Patrioten, Foierstoss, Kraft durch Froide, Kroizzug, Noie Werte, Oiphorie).

S7Trotz dieser Parallelen ist eine Gleichsetzung von Oi!-Skins bzw. Oi!-Musik mit Rechtsextremismus und Rassismus vorschnell. Während in diversen Publikationen des Verfassungsschutzes das "Oi" auf die Übersetzung der nationalsozialistischen Parole "Kraft durch Freude" in das englische "Strength through joy" zurückgeführt wird, betont Klaus Farin (2), dass das "Oi!" auf das Begrüßungsritual einer britischen Band zurückgeht und nichts anderes ist als das Skinhead-Synonym für "Punk". Oi!-Musik ist demnach nicht per se rassistisch. Viele Oi!-Skins verstehen sich selbst als unpolitisch bzw. politisch ungebunden. Darüber hinaus gibt es die antirassistische "SHARP"-Bewegung („SkinHeads Against Racial Prejudice") und linksorientierte Redskins.

Mit Zahlen- und Buchstabenkürzel werden in Deutschland verbotene Parolen umgangen

S10In der rechtsextremenen Szene werden zahlreiche Zahlen- und Buchstabenkürzel verwendet, um in Deutschland bestehende Verbote zu umgehen. Diese Abkürzungen sind in der Regel einfach aufgebaut: Die Zahlen stehen meist für die Buchstaben im Alphabet und die Buchstaben für die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Parole. So bezieht sich "88" auf den achten Buchstaben im Alphabet (H) und steht für die verbotene NS-Grußformel "Heil Hitler". Der Zahlencode wird in Flugblättern und E-Mails verwendet, als großes oder kleines Emblem auf Kappen und Hemden getragen, in Liedtexte eingebaut oder in die Haut tätowiert. Sogar Kissenbezüge werden mit dem Zahlencode von rechtsextremen Vertrieben angeboten.

S11Ein anderes Beispiel ist das Kürzel "18". Es steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet (A + H) und spielt auf die Initialen von Adolf Hitler an. Als Druckmotiv auf Sweatshirts wird es teilweise auch mit eindeutigen Slogans (z. B. "Hate Society - Old School Racist") angeboten. S12Verbreitet ist zudem das Kürzel "C18", das für die militante britische Neonazi-Gruppe "Combat 18" steht. Als "Kampftruppe Adolf Hitler" verübten Mitglieder dieser 1992 gegründeten Terrororganisation zahlreiche Gewalttaten in Großbritannien.

Der Zahlencode "13 47" bezieht sich auf den 13., vierten und siebten Buchstaben im Alphabet (MDG) und ist ein Kürzel für die NS-Grußformel "Mit deutschem Gruß". Diese ist in der Bundesrepublik z. B. in Briefen verboten (§ 86a StGB), wenn Aufmachung und Inhalte der Schreiben auf einen nationalsozialistischen Sprachgebrauch hindeuten. Zur Umgehung des Verbotes werden manchmal auch die Anfangsbuchstaben "MDG" verwendet.

Mit dem Zahlencode "28" oder "2+8" (zweiter und achter Buchstabe des Alphabets BH) ist das am 14.9.2000 in Deutschland verbotene "Blood&Honour"-Netzwerk gemeint. Da die verschiedenen Symbole der Vereinigung in Deutschland nicht mehr gezeigt werden dürfen, können sich Rechtsextreme mit dem Kürzel weiterhin zu "Blut und Ehre" bekennen. Andere Beispiele sind "124" für "Ausländerbefreites Deutschland", "192" für "Adolf is back" und "198" für den verbotenen NS-Gruß "Sieg Heil".

S12aNicht verboten, dennoch eindeutig besetzt, ist das Kürzel "ODESSA". Es steht für "Organisation der ehemaligen (oder entlassenen) SS-Angehörigen" und wurde nach US-Geheimdienstberichten von NS-Gefangenen nach 1945 benutzt, um ihre Flucht zu organisieren. Die ursprünglich als Fluchtorganisation gegründete Organisation soll sich später zu einer weltweit agierenden Geheimorganisation weiterentwickelt haben. Heute taucht das Kürzel z. B. im Bereich des Rechtsrocks wieder auf: Das Debütalbum "Eiserner Wille und stolzes Herz" der Leipziger Skinband "ODESSA" preist ein rechtsextremer Online-Versand 2002 mit folgenden Worten an: "Die Texte sind wieder am Rande dessen, was hierzulande möglich ist."

Trotz verbreiteter Anglophobie werden viele Kürzel aus den USA übernommen

S1Der Verzicht auf Anglizismen gehörte lange in weiten Teilen der rechtsextremen Szene zum rechten Ton: Auf rechtsextremen Internetseiten wurde nicht vom Internet, der Homepage oder Website, sondern vom Weltnetz, der Heim- oder Informationsseite und dem Netzauftritt gesprochen. Deutschtümelnd wurde der Hyperlink zur Querverbindung, der Link zum Verweis oder Verzweig, die E-Mail zur elektronischen Post und der Flyer zum S2Hand- oder Flugzettel. Entsprechend warben rechtsextreme Versandfirmen nicht für T-Shirts, sondern für T- bzw. Trikot-Hemden. Derart altbacken gibt sich aber nur noch ein Teil der Rechtsextremen in Deutschland. Viele in der Szene verwendete rassistische Kürzel stammen überdies von rechtsextremen Gruppierungen in den USA.

S13Die Ziffer 14 steht für die so genannten vierzehn Worte des US-amerikanischen Rechtsterroristen David Lane: "We must secure the existence of our people and a future for white children" ("Wir müssen die Existenz unseres Volkes und auch die Zukunft unserer weißen Kinder sichern".) Der u. a. wegen Mordes an einen Juden zu insgesamt 190 Jahren Haft verurteilte Lane begründete seine Wortschöpfung in einem Interview mit einer religiösen Eingebung. Er sieht seine "14 words" samt weiterer "88 Grundsätze" in der Tradition eines "arischen heiligen Zahlenkanons". Beide Symbole repräsentierten "Wotan", den natürlichen Gott, dessen größtes Werk die Schaffung der "arischen Rasse" (auch "Wotansvolk" genannt) gewesen sei.

S14Die "14 (words)" sind auf zahlreichen Websites und in Musiktexten zu finden. Sie werden von sog. "Weißen Rassisten" in den USA ebenso verwendet wie von rechtsextremen Skinheadbands in Deutschland (z. B. Song "14 Words" der Band "Die 14 Nothelfer"). Die Verknüpfung der Zahlensymbole (14/88 oder 88/14) gilt als deutliches Bekenntnis zur NS-Ideologie und wird von Nazis auch als Grußformel in Briefen gebraucht.
Lokale Gruppen erfinden manchmal auch eigene Übersetzungen: So soll die Zahl "14" auch für den ersten und vierten Buchstaben des Alphabets (A+D) und für die Parole "Auf Deutschland!" stehen.

S15Als Stickmotiv für Kragen oder Brust verbreitet ist die Abkürzung "KKK". Sie ist ein Zeichen für den US-amerikanischen rassistischen Geheimbund Ku Klux Klan, der für zahlreiche Morde an Schwarzen und Bürgerrechtlern in den USA verantwortlich ist. Neben verschiedenen grafischen Symbolen weisen auch mehrere Zahlenkürzel auf den Bund hin. "311" ist insbesondere in den USA ein rassistischer Gruß, mit dem eine Mitgliedschaft bzw. Sympathie für die Ideologie des Ku Klux Klan ausgedrückt wird. Der Zahlencode liest sich als dreimal den 11. Buchstaben im Alphabet, also KKK. Der ebenfalls verwendete Zahlencode "33/6" liest sich ebenfalls als 3 x 11. Die 6 steht dabei zusätzlich für die "gegenwärtige Ära" der Terrororganisation.

S16Mitglieder und Sympatisanten der in den USA beheimateten und international organisierten Hammerskins benutzen das Buchstabenkürzel "HFFH". Es steht für das Motto der rassistischen Skinheadgruppe: "Hammerskins forever, forever Hammerskins".

S17US-amerikanische Rassisten und Rassistinnen haben zahlreiche Kürzel kreiert, die in der einen oder anderen Form eine angebliche Überlegenheit bzw. Dominanz der "weißen" und "arischen Rasse" beschwören. So steht die Abkürzung "RAHOWA" für "Racial Holy War". Es offenbart ein krudes rassistisches Weltbild vom angeblich heiligen Kampf der "Weißen" bzw. "Arier" gegen den Rest der Welt (Schwarze, Minderheiten, Juden etc.). Diese rassistische Parole vom "heiligen Rassenkrieg" wird z. B. von bundesdeutschen Versandfirmen als Druckmotiv für T-Shirts angeboten und auf CD-Covern verwendet. Um nur einige weitere Beispiele zu nennen:

  • "WPWW" steht für "White Pride World Wide" ("Weißer Stolz weltweit").
  • "SWP" ist eine Abkürzung für "Supreme White Power" und ein Synonym für die angebliche Überlegenheit der "Weißen".
  • "UAO" liest sich als "United as One" und wird von "weißen" Rassisten und Rassistinnen in den USA als Grußformel verwendet.
  • "23" bezieht sich auf den 23. Buchstaben des Alphabets (W) und soll ein Bekenntnis als "Weißer" sein.
  • "100%" wird als Synonym für "rein arisch" verwendet.
  • "83" steht für die Buchstaben H und C und bedeutet "Heil Christ". Es wird von US-amerikanischen Rassisten und Rassistinnen benutzt, die sich gleichzeitig als Christen bezeichnen.
  • "4/20" (4:20 oder 420) steht für den 20. April (englisch: April 20.) und spielt auf den Geburtstag Adolf Hitlers an.
  • S18Die Kombination der Zahl "4" mit dem Buchstaben "R" wird von US-Neonazis und rassistischen Skinheads als Logo oder Tattoo verwendet, um damit auf ein "Viertes Reich" als Nachfolge des "Dritten Reiches" anzuspielen.
  • "168:1" ist ein aus den USA stammender Code, der sich auf zynische Weise auf den Bombenanschlag des Rechtsextremisten Timothy McVeigh in Oklahoma City im April 1995 bezieht. Bei dem Anschlag wurden 168 Menschen getötet. Der Attentäter wurde später zum Tode verurteilt.

Das Kürzel "WAR" geht auf militante US-amerikanische Gruppen zurück, die sich "White Aryan Resistance" nennen. Gruppen und Bands (z. B. "White Aryan Rebels"), die sich diese Abkürzung zu Eigen machen, nehmen besonders extreme Positionen ein: Sie verbreiten mit Rassismus, Antisemitismus, Antikommunismus und dem Führerprinzip zentrale Ideologiebestandteile des Nationalsozialismus. Die eingedeutschte Variante der Abkürzung heißt "WAW" für "Weißer Arischer Widerstand". Unter dem Kürzel firmierten auch zwei deutsche Rechtsrock-Bands ("WAW" und "WAW-Kampfkapelle"), deren Produktionen indiziert, verboten bzw. beschlagnahmt wurden.

Sprachsymbolik rechtsextremer Esoteriker und Esoterikerinnen

Margret Chatwin (3) attestiert den Anhängern und Anhängerinnen von Verschwörungstheorien, insbesondere denen aus der politischen Esoterik, einen ausgeprägten Hang zur Zahlenmystik. Als Beispiel nennt sie die Ziffer 6 als "Zahl des Tieres", die wiederum als Symbol für Satan gilt. Vor allem, wenn die Ziffer 6 in dreistelliger Form in Erscheinung tritt, wird in diesen Kreisen das Wirken geheimer böser Kräfte ausgemacht. Die Identifikation der Drahtzieher von (Welt)Verschwörungen reicht dabei von "Illuminaten", "Zionisten" und "Vatikan" über "Bolschewisten", "Liberalismus" und "die Demokratie" bis hin zu "die USA" oder gar "Außerirdische". Letztlich - so Chatwin - wird bei allen Variationen immer wieder eine Gruppe des Bösen ausgemacht: "die Juden". Die Mystik um das "satanische Symbol 666" wird insbesondere von rechtsextremen Esoterikern wie Jan van Helsing ins Feld geführt, um eine angebliche Weltverschwörung jüdischer Kreise zu "beweisen".
Götternahmen wie Odin, Thor oder Freya zieren als Druckmotiv so manches T-Shirt von Jugendlichen, die sich neuheidnischen Gruppen zugehörig fühlen. Während ein Slogan wie "Odin statt Jesus" nicht auf eine rechtsextreme Orientierung hinweisen muss, kann eine Message wie "Wotan statt Mohamed" schon deutlicher sein. "WOTAN" steht nach einer Interpretation von Hendrik Möbus für "W.ill O.f T.he A.ryan N.ation" ("Wille der arischen Nation"). Hendrik Möbus von der neonazistischen Black-Metal-Band "Absurd" war einer der Begründer der deutschen Sektion der "Allgermanischen Heidnischen Front" (ADF), die als "neuheidnische und völkische Bewegung" das Christentum als "Schwächeanfall der germanischen Völker" und als "Seuche namens Judeo-Christentum" diffamiert. Als Heilmittel für die "spirituelle Zersetzung" werden die altnordische Religion und die Philosophie des Asatru und der Wotanismus angepriesen.

 

Anmerkungen:

(1) Bernd Wagner: Zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus in den neuen Bundesländern, in: APUZ, B 39/2000

(2) Klaus Farin: generation kick.de. Jugendsubkulturen heute, München 2001, S. 112ff; Archiv der Jugendkulturen (Hg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland, Berlin 2001, S. 27f

(3) Magret Chatwin: Falsche Fuffzger. Verschwörungsthesen, Zahlenmystik und Außerirdische, in: Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR), 2000