Überblick Nr. 2, Juli 2017

Schwerpunkt: Die Schwierigkeit mit Diversität umzugehen

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Neu Kinder- und Jugendarbeit zu rassismuskritischen Orten entwickeln. Anregungen für die pädagogische Praxis in der Migrationsgesellschaft 2016

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Embleme und Runen

CruneIn Deutschland verbotene NS-Symbole werden heute durch zahlreiche andere Embleme ersetzt, die nach außen, vor allem aber auch nach innen als Erkennungszeichen dienen. Manchmal handelt es sich hierbei um Symbole einzelner Gruppen des neonazistischen Spektrums. Häufig werden auch Symboliken aus dem esoterischen Flügel des Nationalsozialismus (NS) und seinen Vorläufern verwendet.

Weit verbreitet sind verschiedene Runen und das Symbol der "Schwarzen Sonne". Derartige Symboliken werden von rechtsextremen Parteien und Angehörigen der "Neuen Rechten" ebenso verwendet wie von militanten Neonazis, rechtsextremen Skinheads sowie rechten Esoterikern und Neuheiden. Sie einen damit - wenn auch nur auf der Ebene der Symbolik - die rechtsextreme Szene und vermitteln Zugehörigkeit und Gemeinschaft.

Rechtsextrem orientierte Gruppierungen und neonazistische Organisationen der Gegenwart bedienen sich teils ausgiebig im Fundus nordischer Mythologie, germanischer Runen und keltischer Symbole. Sie knüpfen damit an völkisch-okkulte Vordenker an, die den esoterischen Flügel des Nationalsozialismus beeinflussten. Statt bekannter Symbole des Nationalsozialismus (NS) wie Hakenkreuz und doppelte S-Rune werden vor allem Zeichen benutzt, die nicht jedermensch eindeutig mit Hitler-Deutschland assoziiert. Aber nicht nur in Deutschland, auch europa- und weltweit benutzen Rassisten und Rassistinnen sowie (Neo)Nazis einige immer wiederkehrende Symbole. Hierzu gehören die Odal- und die sog. Lebensrune, die Triskele und die sog. Schwarze Sonne. Sie einigen auf der Ebene der Symbolik so unterschiedliche Gruppen wie die organisierte Rechte, militante Neonazis, rechtsextreme Skinheads und rechte esoterisch-neuheidnische Gruppen.

Runen raunen dies und das

Insbesondere Runen scheinen ein probates Mittel der rechtsextremen Szene zu sein, da es keine gesicherte Überlieferung ihrer tatsächlichen Bedeutung gibt. "Runen raunen rechten Rat" orakelte beispielsweise 2002 die völkisch-heidnische Internetseite "Asgardsrei" zweideutig. Der Interpretation sind dabei weitgehend Tür und Tor geöffnet. Bereits die Frage, ob die Runenschrift "urgermanisch" ist oder sich aus der lateinischen Schrift entwickelt hat, gilt als nicht abschließend geklärt. Wer sich im Internet oder esoterischen Büchern sachkundig machen will, findet eine Vielzahl beliebig anmutender Deutungen.

R1So wird die Rune Eihwaz (auch Eiwatz, Ehwaz oder Iwaz), die als 13. Rune der "gemeingermanischen" Reihe von 24 Zeichen (sog. ältere Futhark) für den Lautwert e steht und Eibe bedeuten soll, mal als "Widerstand, Ausdauer und Jäger" und mal als "Selbstverteidigung und Schutz von Unschuldigen" gedeutet. "Eihwaz gilt als die Todesrune" heißt es demgegenüber im "Schwarzen Netz" der germanischen Mythologie. Auch auf rechtsextremen Internetseiten sprüht der Erfindungsreichtum, wenn die angeblich "abwehrenden Kräfte", die "Stärkung der persönlichen Kräfte" und "initiatisches Wissen" als Eigenschaften der Rune beschworen werden.

R2Die Odalrune (auch Othila, Othala, Odil, Odin genannt) ist das letzte Zeichen im älteren Futhark und hat den Lautwert o. Die ihr zugeschriebenen Bedeutungen kreisen um Begriffe wie "ererbter Besitz, Ahnen, Heimat" oder "Erbe/Wirkung, Scholle, Blut". In der Wikingerzeit soll sie den Glauben an Odin symbolisiert haben. Sie ist kein rechtsextremes Zeichen an sich: So ist der Odin-Glaube vom Ursprung her keine rassistische Religion und Esoteriker benutzen sie ebenso wie die Bundeswehr (wo sie die Schulterklappen der Hauptfeldwebel ziert).

R3Die Odalrune wurde und wird allerdings auch von Rassisten und Rassistinnen benutzt. Im Nationalsozialismus befand sich die Rune auf Abzeichen der SS-Gebirgsdivision "Prinz Eugen" und des "Rasse- und Siedlungsamtes", Neonazis in Deutschland ("Wiking-Jugend" und "Bund Nationaler Studenten") benutzten sie als Logo und auch die rassistische "African Student Federation" wählte sie für ihr Banner.

Die Odalrune bzw. den heidnisch-germanischen Odin-Kult in Teilen der Jugendszene versuchen heute verschiedene Gruppen des rechtsextremen Spektrums für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. So dichtet der NPD-Barde Frank Rennicke in seinem Song "Odalrune" auf der CD "Unterm Schutt der Zeit": "Odalrune, auf schwarzem Tuch, weh' voran uns, trifft uns auch der Fluch. Du Zeichen allein, kannst die Freiheit nur sein, weh' voran, ein Leben lang!" Im Sinne der NS-Ideologie wurde der Odalrune auf der (mittlerweile gehackten) rechten Internetseite "Victory or valhalla" folgender Bedeutungsgehalt zugeschrieben: "Besitz, ererbtes Land, ... Ordnung, Gemeinschaft, Besinnung auf gemeinschaftliche Interessen, Übergang von egoistischen zum kollektiven Denken, auch Trennung von bisherigem Anspruchsdenken".

R4Auch rechtsextreme Firmen wie der Wikinger-Versand bedienen die neuheidnisch-völkische Bewegung. Große Druckmotive mit den Schriftzügen "Odin statt Jesus" gehören hier ebenso zum Sortiment wie dezente Stickmotive oder Anstecker mit dem Slogan "Odins Volk" oder "Wotans Volk". Selbst für Kinder gibt es Pullis und T-Shirts mit diversen Götternamen (wie Odin, Thor, Freya) als Druckmotiv.

R5Die Algiz-Rune hatte im älteren Futhark den Lautwert z und soll für Elch, Schutz, Abwehr, Geleit u. ä. gestanden haben. Im sog. Armanen Futhark, das der völkische Esoteriker Guido von List Ende des 19. Jh. erfand, taucht das Zeichen als sog. Man-Rune auf. Sie trägt den Lautwert m und die ihr zugeschriebenen Bedeutungen kreisen um so unterschiedliche Begriffe wie "Mensch, Magie und Mond".

R6Im Nationalsozialismus wurde die Rune entgegen ihrer ursprünglichen Bedeutungen als "Lebensrune" interpretiert, die das menschliche Leben symbolisiert. Sie war ein Dienstrangabzeichen des SA-Sanitätswesens und stand auf Gräbern von SS-Angehörigen als Zeichen für das Geburtsdatum. Apotheker führten die Rune in ihrem Hauszeichen und die NS-Frauenschaft, das Deutsche Frauenwerk und der Reichsbund Deutsche Familie verwendeten sie als R7Kennzeichen. "Selbst die Reichsgesundheitsführung versinnbildlichte die gesundheitsfördernde Wirkung des Vollkornbrotes durch die Man-Rune" - so die Recherchen von Frauke Stuhl (1). Als Pendant zur "Lebensrune" deuteten die NS-Esoteriker die Yr-Rune aus dem jüngeren Futhark bzw. dem Armanen Futhork zur "Todesrune" um. Sie wurde dementsprechend z. B. auf Gräbern für das Todesdatum benutzt.

R8Im Sinne der NS-Deutung ist die Rune heute im rechtsextremen Spektrum weit verbreitet. Sie ist das Emblem der von William Pierce in Westvirginia/USA gegründeten "National Alliance", die als größte und aktivste neonazistische Organisation in den USA gilt, und sie ziert das Banner völkisch-antisemitischer Glaubensbewegungen wie der "Allgermanischen Heidnischen Front". Sog. Neugermanen wie "Asgardsrei" kombinierten in ihrem Banner "Lebens-" und "Todesrune" mit der "Schwarzen Sonne" und der rechte Versandhandel kreierte für rassistische Skinheads Buttons und Aufnäher mit "Lebensrune" und der "White-Power-Faust". Die "Lebensrune" ist als Druckmotiv für T-Shirts bei rechtsextremen Versandfirmen zu erwerben und sie erscheint auf zahlreichenR9 CD-Covern. Besonders eklatant präsentierte die rechtsextreme Neofolk-Band "Death in June", die mit ihrem Namen auf die Ermordung des SA-Stabchefs Ernst Röhm im Juni 1934 anspielt, die Rune: Sie kombinierte auf dem Cover der Platte "That World That Summer" die Rune mit dem SS-Totenkopf.

Eine rechtsextreme Strategie heißt: Symbole besetzen!

R10Die rechtsextreme Szene versucht mehr und mehr keltische und germanische Zeichen mit einem rechtsextremen Code zu besetzen. Zu den bereits lange von Rassistinnen und Rassisten verwendeten Symbolen gehört das Keltenkreuz, das sich aus prähistorischen Dolmen entwickelt hat und als Steinkreuz an vielen Orten Irlands und Schottlands zu finden ist. Als rechtsextremes Symbol wurde es u. a. bekannt durch die Internetseite "Stormfront" des US-Rassisten Don Black: Mit dem Slogan "White Pride - World Wide" soll es hier die angebliche Überlegenheit der "Weißen" zum Ausdruck bringen. Die rassistische Terrororganisation Ku-Klux-Klan, die ebenfalls von der Vorherrschaft der "Weißen" träumt, benutzt das Keltenkreuz z. B. mit der Parole "Proud of my heritage". Sich als "keltisch- R11oder germanischstämmig" bezeichnende Rassistinnen und Rassisten deuten es heute als Zeichen des "gemeinsamen Kampfes" gegen Minderheiten und "Feinde" jedweder Art. Andere rechtsextreme Gruppen sehen im Keltenkreuz den Verweis auf eine "bessere" Vergangenheit, in der der "Stärkere immer siegte". Von Neonazis wird das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz als Gürtelschnalle, auf dem T-Shirt oder als Flagge gezeigt.

R12Auch die als magisches Zeichen in der Esoterikszene beliebte Triskele wird von Rechtsextremen häufig verwendet. "Triskele" ist das griechische Wort für Dreifuß, Dreibein oder Dreischuh und ist ein Wahrzeichen von Sizilien, der Bretagne und der Isle of Man. Sie ist auf Münzen (Sizilien), antiken Schalen (Mykene) und Felszeichnungen (Irland) zu finden, stammt vermutlich aus verschiedenen Kulturkreisen und symbolisiert wahrscheinlich die Sonne. Deutungen in der Esoterikszene kreisen um Begriffe wie "Dreieinigkeit von Körper-Geist-Seele", "Geburt-Leben-Tod" oder "Werden-Sein-Vergehen". Sie gilt in der Esoterik als Schutzamulett gegen alle möglichen negativen Kräfte und soll "Selbstvertrauen und Kreativität" oder "Optimismus und Fortschritt" vermitteln.

R13In dreizackiger Form (auch als dreischenkliges Hakenkreuz interpretiert) ist die Triskele das Logo der "Afrikaaner Weerstandsbewegung", einer militanten Organisation weißer Südafrikaner und Südafrikanerinnen, die jahrzehntelang für die Apartheid kämpfte. In Deutschland trat diese Form der Triskele vor allem als Zeichen des neonazistischen "Blood&Honour"-Netzwerkes in Erscheinung. Die klassische geschwungene Form führt das neonazistische Frauenmagazin "Triskele" in ihrem Logo. Hier wird sie als "altes germanisches Symbol" gepriesen, das sich angeblich aus Iagu-Runen, "dem Zeichen für gesetzmäßiges Leben in Recht und Ordnung" gebildet habe. Im rechtsextremen Handel gibt es die Triskele in ihrer dreizackigen oder geschwungenen Form z. B. als Kragen-Stickmotiv, als Druckmotiv oder als Schmuckanhänger.

R14Als Schmuckstück taucht auch immer wieder "Thors-Hammer" auf. Thor ist in der germanischen Mythologie Sohn Odins und Donner-, Gewitter- und Fruchtbarkeitsgott. Er gilt als der stärkste der altnordischen Götter, der in den Götter- und Heldenliedern der Edda mit seinem Hammer ("Mjöllnir") Götter wie Menschen vor dem Riesen Jötunn beschützte. In der Wikingerzeit soll er - als Pendant zum christlichen Kreuz - ein Symbol des Heidentums gewesen sein. In der rechtsextremen Szene als Schmuckanhänger beliebt ist er heute vermutlich vor allem wegen seiner Kampfsymbolik.

R15Zu einem wichtigen Symbol der rechtsextremen Szene (insbesondere der mit einem Hang zum Esoterischen) hat sich die sog. "Schwarzen Sonne" in Gestalt des zwölf-speichigen Sonnenrades entwickelt. Die "Schwarze Sonne" wird in mystisch-religiösen Liedern beschworen und erscheint auf T-Shirts, CD-Covern, Websites und Fahnen, als Tätowierung und Schmuckanhänger. Das Symbol gibt es als Manschettenknopf, Tischständer oder Armbanduhr und es steht in der einen oder anderen Form bei nahezu jedem rechtsextremen Versand im Programm. Angesichts des inflationären Gebrauchs des Symbols im gegenwärtigen rechtsextremen Spektrum gehen Beobachter der Szene davon aus, dass die "Schwarze Sonne" das in Deutschland verbotene Hakenkreuz als typisches ideologisches Erkennungsmerkmal teilweise bereits ersetzt hat.

Wofür steht der Topos "Schwarze Sonne" bzw. der in der rechtsextremen Szene gebräuchliche bildliche Ausdruck des Sonnenrades? Diese Frage lässt sich nicht kurz und bündig beantworten, weil Herkunft, Name und Bedeutung nicht eindeutig geklärt sind.
In rechtsextremen Esoterikkreisen wird das Symbol als "neue Kraftquelle" und "geheimes Zeichen" gepriesen, das aus einem wie auch immer gearteten "germanisch-deutschen Urerinnerungsschatz" abgeleitet wird. "Sinnsuchenden" wird eine aus den zwölf Speichen des Rades ausgehende Zahlenmystik angeboten, die über Addition und Multiplikation verschiedener Ziffern zu einer "unsichtbaren, dunklen, immer vorhandenen, aber nur gewussten Sonnenenergie" führt, die letztendlich die "deutsch-völkische Geisteswelt" prägt. Im rechtsextremen Skin-Fanzines "Landser" wurde die "Schwarze Sonne" als Geheimzeichen der Wissenden gedeutet, dass nach angeblich "wissenschaftlich fundierten Forschungen" bereits bei den Erbauern der Pyramiden und auf Atlantis erwähnt worden sei. Das Symbol steht demnach für die "uralten, eigenen germanischen Werte" und "als Widerstandszeichen gegen die heute in Deutschland herrschende internationalistische und volkszerstörende Kraft".

Der Begriff der "Schwarzen Sonne" geht nach Rüdiger Sünner (2) vermutlich auf die russische und antisemitische Okkultistin Helena Blavatzky (1831-1891) zurück. Sie entwarf in ihren Werken das Bild einer "Zentralsonne", die als energiegeladene Finsternis am Anfang allen Seins gestanden habe. Den Ursprung dieses "schöpferischen Lichts" (das die Physik heute als Urknall bezeichnen würde) verortete Blavatzky "bei den geheimen Lehren der Arier", die sie als Urvolk im hohen Norden ansiedelte. Völkisch-theosophische Autoren griffen Anfang des 20. Jh. diesen Gedanken auf und sponnen ihn weiter: So Guido von List, der von einem unsichtbaren "Urfeuer" ausging, das als zentrale Gottesvorstellung der "Ario-Germanen" am Anfang der kosmischen Entwicklung gestanden haben soll.

R16Ob und inwiefern der Topos der "Schwarzen Sonne" die nationalsozialistische Esoterik beeinflusst hat, ist nicht zu belegen. In der rechtxextremen Szene wird heute das zwölf-speichige Sonnenrad, das als Bodenornament den "Obergruppenführer-Saal" der als SS-Kult- und Totenstätte geplanten Wewelsburg bei Paderborn ziert, als bildlicher Ausdruck der "Schwarzen Sonne" gesehen. Diese Deutung ist zwar unter Experten und Expertinnen umstritten. Während z. B. Heller/Maegerle (3) im Sonnenrad der Wevelsburg eine Darstellung von Sigrunen sehen und Hakenkreuze assoziieren, verortet Rüdiger Sünner das zwölf-spreichige Rad eher in die Merowingerzeit. Sowohl die Farbe (grün statt ultraviolett) wie auch die Darstellung (Rotation statt Ruhe) weisen aus seiner Sicht eher auf ein Abbild der sichtbaren(!) Sonne hin. Unter Rechtsextremen der verschiedenen Couleur scheinen derartige Feinheiten aber keine Rolle zu spielen: Für sie ist das zwölf-speichige Sonnenrad, das Reichsführer SS-Heinrich Himmler als Ornament in den Boden der SS-Ordensburg bei Paderborn einbauen ließ, das Abbild der "Schwarzen Sonne", dem sie durch Wallfahrten gerne huldigen würden.

Erst in den 1950er Jahren tauchte die Metapher der "Schwarzen Sonne" wieder in okkulten Zirkeln ehemaliger SS-Führer in Wien auf, die die esoterischen Wurzeln der SS an eine jüngere Generation weitergeben wollten: In einer Romantrilogie beschrieb der ehemalige SS-Führer Wilhelm Landig die "Schwarze Sonne" als "Urquell der arischen Kräfte", als ein "geheimes selbständiges Reich" der Nationalsozialisten und als Widerstandssymbol gegen die Verdrängung "ursprünglicher nordischer Größe", die er mal durch einen angeblich "jüdisch-amerikanischen Materialismus", mal durch multikulturelle Utopien überrannt sah.

Kennzeichen rechtsextremer Organisationen und Gruppen

R17Der 1865 in Tennessee/USA gegründete rechtsterroristische und rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan (KKK), der im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Morde verübte und bis heute für Gewalt und Terror verantwortlich ist, versucht bereits seit Mitte der 1980er Jahre seine Kontakte zu Neonazis und rechtsextremen Skinheads in Deutschland auszubauen. Obwohl es Anfang der 1990er Jahre zeitweise einen Deutschlandbeauftragten des KKK in Berlin gab und sich einige bekannte Neonazis offen zum KKK bekannten, gibt es nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes nur wenige Anhänger des KKK in Deutschland. R18Bei Neonazis und rechtsextremen Skinheads (vor allem denjenigen, die sich zu "Blood&Honour" bekennen) gibt es aber gleichwohl Sympathien für das rassistische Gedankengut und die geheimbündlerischen Rituale (wie das Tragen weißer Kapuzenmäntel und das Verbrennen von Holzkreuzen). Symbole des Ku Klux Klans sind dementsprechend in der Szene verbreitet. Das Spektrum umfasst Aufnäher, T-Shirts und Poster mit dem Logo des Geheimbundes (weißes Kreuz mit Blutstropfen in der Mitte), dem Kürzel "KKK" und Abbildungen typischer "Kapuzenmänner".

R19Mehr oder weniger militante Neonazis, die sich nach dem Verbot diverser neonazistischer Organisationen in den 1990er Jahren zu sog. Freien Kameradschaften (auch "Freie Nationalisten" oder "Nationaler Widerstand") zusammengeschlossen haben, verwenden als Kennzeichen häufig Hammer und Schwert. Das Zeichen wird manchmal auch auf einer schwarzen Fahne zur Schau getragenen. Das Symbol geht auf die so genannte schwarze Front zurück, eine Abspaltung der NSDAP um Otto Strasser. Die "schwarze Front" war antisemitisch und vertrat pseudo-antikapitalistische Positionen. Sie wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Ein Teil der Rechtsextremen bezieht sich heute auf diese Strömung des Nationalsozialismus.

R20Zwei gekreuzte Hämmer sind das Kennzeichen der 1986 in den USA von rassistischen Skinheads gegründeten "Hammerskins". Die Hämmer sollen die "weiße" Arbeiterklasse symbolisieren. Die international organisierte und auch in der Bundesrepublik vertretene Gruppierung variiert je nach Staat oder Region den Hintergrund ihres Symbols.
npdOft wird als Hintergrund ein Zahnkranz verwendet, der ebenfalls als Symbol der Arbeiterklasse angesehen wird. Sowohl die NSDAP wie auch neonazistische Organisationen nach 1945 verwendeten den Zahnkranz in ihren Emblemen - so die "Deutsche Arbeitsfront" und die 1993 verbotene "Freiheitlich Deutsche Arbeiterpartei" (FAP). Neuerdings hat auch die Nationaldemokratische Partei (NPD) das Symbol des Zahnkranzes zur Selbstdarstellung wieder entdeckt.

R21Die Weiße Faust mit oder ohne dem weit verbreiteten Slogan "White Power" steht für eine militant-rassistische Grundeinstellung und wird von rassistischen Gruppen in aller Welt verwendet. In Deutschland ist das Symbol in Form von Buttons und Aufnähern vor allem bei rassistischen Skinheads beliebt. Im Unterschied zur Faust der politischen Linken und des Arbeiterkampfes, bei der sich der Daumen an der Seite befindet, liegt der Daumen hier vor den Fingern. Das manchmal in der Mitte der Hand angedeutete A soll für "Ariyan" stehen.

R22Der Totenkopf war das Symbol der SS-Totenkopfverbände, die u. a. für die Bewachung der Konzentrationslager zuständig waren. Das Symbol wird insbesondere von der militanten britischen Neonazi-Gruppe "Combat 18" verwendet, die sich als Kampftruppe Adolf Hitlers betrachtet und seit ihrer Gründung 1992 für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich gemacht wird. Auch die 1987 von Ian Stuart Donaldson (Sänger der Skinhead-Band "Skrewdriver") gegründete "Blood&Honour"-Bewegung schmückt diverse Publikationen mit dem Totenkopfsymbol. Nach Angaben der Anti-Defamation League soll das Symbol bei Neonazis bzw. rassistischen Skinheads auch als Tattoo verbreitet sein: Manchmal zeige es an, dass der Träger einen "Feind" der Bewegung getötet habe.

R23Immer wieder anzutreffen ist bei rechtsextremen Skinheads das Wappen der britischen Nazi-Band "Skrewdriver", die unter ihrem Sänger Ian Stuart Donaldson Kultstatus erreichte. Ian Stuart Donaldson war Mitglied der rechtsextremen "National Front" und Begründer der mittlerweile in Deutschland verbotenen "Blood&Honour"-Bewegung. Nach seinem Unfalltod 1993 und der Auflösung der Band "Skrewdriver" stieg Ian Stuart Donaldson zur Ikone in der Neonazi-Szene auf. Internetseiten wie das "skrewdriver.net" huldigen bis heute offen dem Nationalsozialismus und propagieren Rassismus und Gewalt.

NS-Abzeichen als Vorbilder

R25Neben nordischen Symbolen und Organisationsabzeichen zieren zahlreiche Kleinstabzeichen auf Kragen, Ärmel und Brust die Hemden und Jacken rechtsextrem orientierter Jugendlicher. Diese reichen vom "W" für Widerstand über Parolen wie "Racewar" und "Sie waren die besten Soldaten der Welt" bis hin zu "Rudolf Hess"-Kopfmotiven. Unverblümt an NS-Vorbilder knüpfen so genannte "Gauabzeichen" an, die in verschiedenen Ausprägungen in der rechtsextremen Szene verbreitet sind.

Mitglieder der Hitlerjugend (HJ) und des "Bundes deutscher Mädel" (BDM) trugen auf ihrer Dienstkleidung so genannte Armdreiecke mit den Namen der als Gau bezeichneten Bezirke des "Dritten Reiches", zu denen sie gehörten. Ob diese schwarzen Stoffabzeichen mit aufgesticktem Gaunamen in Silber oder Gold heute straffrei getragen werden dürfen, war lange umstritten. Im Juli 2002 entschied der Bundesgerichtshof, dass das Gaudreieck als NS-Symbol gelte und die Verwendung verboten sei.

R26Um eventuelle strafrechtliche Konsequenzen zu umgehen, wurden von Neonazis oft die alten NS-Gaunamen durch andere Orts- und R27Landesbezeichnungen ersetzt. In Anlehnung an die NS-Gauabzeichen kreiierten rechtsextreme Hersteller eine Fülle von schwarz gestalteten Aufnähern mit unterschiedlichen Slogans in Frakturschrift (z. B. "Deutschland", "Underground 88", "14 Words", "Freicorps", "White Power", "Skinheads weiß & stolz" etc.).

Anmerkungen:

(1) Frauke Stuhl: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ... Die Symbolik der extremen Rechten, in: Archiv der Jugendkulturen (Hg.): Reaktionäre Rebellen. Rechtsextreme Musik in Deutschland, Berlin 2001, S. 117-130, S. 124
(2) Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne. Entfesselung und Missbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik, Freiburg 1999
(3) Friedrich Paul Heller / Anton Maegerle: Die Sprache des Hasses. Rechtsextremismus und völkische Esoterik - Jan van Helsing, Horst Mahler ..., Stuttgart 2001, S. 15f

Online-Literatur zum Thema:

asp - Agentur für soziale Perspektiven e. V. (Hg.): Versteckspiel. Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen (Website und Broschüre)

Bundesamt für Verfassungsschutz (Hg.): Symbole und Zeichen der Rechtsextremisten, Köln 2011

Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Musik - Mode - Markenzeichen. Rechtsextremismus bei Jugendlichen, Düsseldorf, 5. Neuauflage 2008

Ministerim des Innern des Landes Sachsen-Anhalt/Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt (Hg.): Symbole und Kennzeichen des Rechtsextremismus, Magdeburg, 2. überarb. Auflage 2007