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Rechtsextremismus - War da was?

Informationen zur extremen Rechten in NRW und Anregungen für die pädagogische Praxis, Düsseldorf 2012

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(Auszug)

Überblick Nr. 3, September 2012

Schwerpunkt: Opferperspektive

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Neonazistischer Black Metal - zum Beispiel Hendrik Möbus und "Absurd"

Der Black Metal entstand in den 1980er Jahren als eine extreme Spielart des Heavy Metal, bei dem die provokanten Texte um Themen wie Satanismus und Heidentum kreisten. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre entstanden innerhalb dieser Szene Bands, die sich selbst als dem "NSBM" (National Socialist - Black Metal) zugehörig bezeichneten. Bands wie "Absurd" (Erfurt), "Burzum" (Norwegen), "Capricornus" (Polen), "Graveland" (Polen), "Tumulus" (Thüringen) oder "Veles" (Polen) verherrlichten in ihren Produktionen den Nationalsozialismus, leugneten den Holocaust und redeten bzw. sangen Rassismus und Antisemitismus das Wort.

Herausragende Figuren in dieser Entwicklung zu einer rechtsextremen Variante des Black Metall waren der Norweger Christian (Varg) Vikernes, Sänger und Initiator der Ein-Personen-Band "Burzum", und - auf deutscher Seite - Hendrik (Wolf) Möbus, Sänger der 1992 in Sondershausen (Thüringen) gegründeten Gruppe "Absurd". Beide Protagonisten der Szene verbüßten u. a. wegen Mordes langjährige Haftstrafen. Ihr "Erfolg" bzw. ihr Bekanntheitsgrad soll nicht zuletzt auf diesen Gewalttaten beruhen: Anhänger und Anhängerinnen des NS-Black Metal interpretierten die Taten als Beleg für die Glaubwürdigkeit ihrer "Helden".

Beide Gallionsfiguren der Szene sind in rechtsextreme Strukturen eingebunden: Christian Vikernes war Initiator des internationalen Netzwerkes der "Allgermanischen Heidnischen Front" (AHF) und gründete die norwegische Sektion "Norsk Hedensk Front". Diese Organisation verstand sich als neuheidnische und völkische Bewegung, die die "Existenzsicherung für alle germanischen Völker" zu ihrem Ziel erklärte und das Christentum als "Schwächeanfall der germanischen Völker" und als "Seuche namens Judeo-Christentum" deutete. Als Heilmittel für die "spirituelle Zersetzung" wurden die altnordische Religion und Philosophie des Asatru und der Wotanismus angepriesen.

Hendrik Möbus gilt als Begründer der deutschen Sektion der "Allgermanischen Heidnischen Front", für die erstmals 1998 in dem Skinhead-Magazin "Blood & Honour Deutschland" des mittlerweile in Deutschland verbotenen gleichnamigen rechtsextremen Netzwerkes geworben wurde. Auch führende rechtsextreme Musik-Magazine wie Rock-Nord (NRW/Langenfeld) und Magazine der "Hammerskins" wie "Hass Attacke" (Sachsen) machten über Interviews mit Möbus bzw. der Band "Absurd" Werbung für den "NS-Black-Metall". Darüber hinaus wurden für die Szene-Band und ihre "völkische" bzw. "arische" Weltsicht in verschiedenen, oft nur verdeckt vertriebenen Fanzines geworben - in NRW z. B. in "Germanenmacht" (Bergisch Gladbach), "Darkness" (Düsseldorf) oder "Leichenkuß" (Duisburg).

Hendrik Möbus, der 1993 zusammen mit zwei Komplizen einen Mitschüler mit satanistischen Praktiken ermordet hatte und zu einer mehrjährigen Jugendstrafte verurteilt worden war, wurde 1998 vorzeitig auf Bewährung entlassen. Möbus führte während seiner Haft die Band "Absurd" weiter und gründete nach seiner Entlassung in Erfurt den Musikversand "Darker Than Black". Als er sein früheres Opfer als "Volksschädling" diffamierte und gegen die Bewährungsauflagen verstieß, flüchtete er in die USA, wo er seine bereits bestehenden Kontakte zu US-amerikanischen Neonazis, insbesondere zur militant rassistischen und antisemitischen "National Alliance" (NA) um den Rechtsextremisten William Pierce vertiefte. Mit einer Plattenfirma der NA plante er u a. Projekte mit rechtsextremen Bands aus der Black-Metal-Szene. Wegen eines internationalen Haftbefehls wurde Möbus Ende 2000 in den USA inhaftiert und nach Deutschland ausgeliefert, wo er anschließend eine vierjährige Haftstrafe wegen Verunglimpfung Verstorbener, Volksverhetzung und Gewaltverherrlichung verbüßte.

Für Bands und Fans des "Black-Metal" spielen Heidentum, alte Riten und der germanische Glaube eine große Rolle.

Die in der Szene weitverbreitete Ablehnung des Christentums greifen die Akteure des NS-Black-Metall auf, in dem sie das Christentum als "judeo-christlich" verunglimpfen und als Teil einer imaginären jüdischen Weltverschwörung ausmachen. Sowohl das christliche Gebot der Nächstenliebe als auch das völkerrechtliche Prinzip der Gleichheit aller Menschen werden als "Symbol der Schwäche" abgelehnt und verhöhnt.

Wie in der rechtsextremen Variante des Dark-Wave knüpfen die Protagonisten des NS-Black-Metall an nordische Göttermythologien an. Sie betonen die Stärke jener Götter, die unerbittlich gegen ihre Feinde waren, unter sich blieben und in einer mystischen Verbindung zur Natur standen. Auf solcher Grundlage propagieren sie dann einen elitären Sozialdarwinismus (z. B. "natürliche Auslese", "Macht des Stärkeren" und "Krieg als Mittel, der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen").

 

Beispielhaft illustriert die 1999 erschienen CD "Asgardsrei" der Band "Absurd" die in der Szene verbreitete diffuse Mischung germanischer Mythologien mit NS-Symbolik. Nach Aussagen von Möbus steht der CD-Titel für "jene halbmythisch, halbreale Armee aus Gotteskriegern, welche ihr Leben dem Dienst an Wotan geweiht haben". Die Texte der einzelnen Beiträge kreisen rund um Themen von Kriegen und Schlachten, Blut und Ehre, Feinden und Helden, finsteren Nächten und Sonnenaufgang. Im Begleitheft zur CD heißt es unter der Überschrift "Ein Ruf zu den Waffen": "Schließt Euch zusammen zu einer neuen Asgardsrei und widmet euer Leben und Handeln dem Kampf für Wotan (W.ill O.f T.he A.ryan N.ation). [...] Die Krieger der Vergangenheit [...] sollen ein Beispiel sein für Heldentum und Opferbereitschaft. Das Schicksal wartet nicht auf euch, das Schicksal fordert euch! Wotan mit uns". Einige Textauszüge aus der CD:

Lied "Tod vor Sonnenaufgang":

"Untergang der Sonne heißet Wiederkehr der Dunkelheit
bleich steht dann die Reichsarmee der Finsternis und ist gefeit
Wider Kreuz und Bibelmystik, Kabbala und Holzespfahl
Untot harren sie, vereinigt durch das blut'ge, graus'ge Mahl
Haltlos entfesselt, voll rasender Gier und getragen
Vom kalten Wolfsgesang
Blutsaugen, unbarmherzig bringen sie stets den
Tod vor Sonnenaufgang."

 

Lied "Als die Alten jung noch waren":

"Zeit des Stahls und Zeit des Krieges, Zeit des Blitzsturms und des Sieges,
Zeit des Stolzes und des Ruhms, Zeit des Deutschen Heldentums,
Zeit der hehren Göttersagen, die wir tief im Herzen tragen,
Jeder soll von einst erfahren, als die Alten jung noch waren!
Runenverse, uralte Weisen klingen auf's neu im Skaldensang,
Was einst war, soll wieder strahlen, stolz, im schönen alten Klang.
Blut und Ehre, Mut und Treue, war'n der Alten höchste Zier,
Solches Ideal soll leiten uns, den Ahnen folgen wir!"

 

Lied "Germanien über alles":

"In den Divisionen ´Wiking´ und ´Nordland´ waren geeint,
Unsre Ahnen unerschütterlich für das Reich gegen den Feind.
Ihre Ehre die hieß Treue, in den Adern floss ein (arisch) Blut,
Und ihr Heldentum soll leiten uns und stets härten unsren Mut.
Grossgermanien [...] von Ost- bis Engelland,
Von der Arktis, vom Eismeer, bis zum südlichen Alpenrand.
Eine einig Volk, ein Glaube an uralte Heidenmacht
[...]
Ein (arisch) Blut fließt in unseren Adern, unverfremdet und rein,
Unsre Freundschaft, unsre Bruderschaft soll von ewger Dauer sein."

 

Lied "Sonnenritter":

"Emporgestiegen aus dunkler Tiefe
in Zeiten der Not für Volk und Land
[...]
Hat das Volk auch die Namen seiner Helden vergessen
ging viel auch verloren von der Vorväter Land
sind wir erschienen um das Schicksal zu wenden
und wehren dem Feind mit todbringender Hand.
Vom Lichte der Sonne zum Sieg(en) erkoren
brennen unsere Herzen in flammender Glut
[...]
Mit Runenzauber neu gestärkt stehen wir im Weltenbrand,
Und das Feindesheer, das den Krieg erklärt, wird zerschlagen mit starker Hand.
Hat der Grund das Blut getrunken erst und der Rauch hat sich gelegt,
Strahlt das Heimatland in neuen Glanz, ist der Feind hinfortgefegt.
Ein Heil dem Sieg, dem kalten Stahl, Germaniens edler Wehr,
Auf ewig steht in Bruderschaft unser Grossgermanisches Heer!"

Der Text des Liedes "Sonnenritter" mit seinen Anleihen an das NS-Symbol der "Schwarzen Sonne" ("emporgestiegen aus dunkler Tiefe") stammt von Josef Klumb, ehemaliges Mitglied der Gothic-Band "Weissglut".

Ende 2005 erschien der Sampler "Absurd. Tribute to the Tyranns of german Black Metal", die nach Einschätzung des Antifaschistischen Info-Blattes einmal mehr belegt, dass sich in der rechtsextremen Szene "unheilige Allianzen" zusammenbrauen:

"Viele der auf dem Album vertretenen Bands stammen aus Thüringen, wie eben Totenburg, Menneskerhat, Abolition und Tyskland. Andere kommen aus dem Ausland wie Wolfsnacht (Griechenland) oder H-k-Z (Frankreich). Die Abkürzung steht im Übrigen für 'Hakenkreuzzug'. Aber auch Gruppen aus dem klassischen Genre des Rechtsrock sind auf der Compilition vertreten: T.H.O.R. aus Schneeberg und Bloodrevenge aus Ostwestfalen. Sie sind ein Zeichen dafür, wie der rechte Rand des Black Metal mittlerweile mit anderen extrem rechten Jugend- bzw. Musikkulturen verschmilzt. Die rechte Skinheadszene hat schon länger am Black Metal Gefallen gefunden, immerhin teilen sie die Begeisterung für den nordisch-germanischen Glauben und alles, was damit zusammenhängt. Fasziniert sind die Neonazis, die um ihre Gewaltbereitschaft selten einen Hehl machen, aber auch von dem radikalen Gestus des Black Metal, der mit Blick auf die vielen Brandstiftungen und Morde nicht nur Image, sondern Widerspiegelung der Realität ist." (1)

 

Anmerkung:

(1) Unholy Black Metal. Der extrem rechte Flügel im Black-Metal-Underground, in: Antifaschistisches Info-Blatt, Nr. 70, Winter 2006, S. 18f

 

Online-Literatur zum Thema:

Dornbusch, Christian: Unheilige Allianz. Black Metal zwischen Heidentum und Neonazismus, in: ak - analyse & kritik, Nr. 428, 8.7.1999

Tandecki, Daniela: Nachtsaiten der Musik. Grauzonen und Braunzonen in der schwarzen Musikszene, Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2000