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(Auszug)

Überblick Nr. 3, September 2012

Schwerpunkt: Opferperspektive

Überblick_3-12

Überblick_3_2012

 

Betroffene: Diskriminierung aus Sicht der Benachteiligten

DiskrimierungserfahrungenIn Deutschland gibt es bislang keine aussagekräftigen Statistiken, die das Ausmaß alltäglicher und institutioneller Diskriminierung für verschiedene Gruppen umfassend dokumentieren. Auch für einzelne Diskriminierungsformen ist ein Nachweis schwer oder gar nicht möglich: So können bislang z.B. keine Formen institutioneller Diskriminierung entlang ethnischer Trennlinien aufgezeigt werden, weil die offizielle Statistik (z.B. im Bereich Arbeitsmarkt oder Schule) nur nach deutschen oder ausländischen Staatsangehörigen unterscheidet, aber nicht nach dem Merkmal ethnische Herkunft oder Migrationshintergrund.

Nur vereinzelt liegen Meinungsumfragen vor, die das Ausmaß von Diskriminierung in einzelnen Bereichen illustrieren:

  • In einer Befragung von Bürgerinnen und Bürgern der EU gaben 5% an, persönlich wegen des Alters benachteiligt worden zu sein. Am zweithäufigsten wurden persönliche Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Herkunft genannt (3%). Über rassistisch/ethnisch begründete Diskriminierung berichteten 1% der befragten Ostdeutschen und 3% der befragten Westdeutschen. Drittstaaten-Angehörige, also z.B. türkische Staatsangehörige in Deutschland, wurden in dieser Erhebung nicht befragt. Gefragt wurde zudem nach den beobachteten Diskriminierungen. Mit 22% der Nennungen rangierte hierbei die Beobachtung rassistischer Diskriminierung an oberster Stelle. 15% der Ost- und 19% der Westdeutschen gaben an, solche Benachteiligungen beobachtet zu haben. (Eurobarometer 57.0)
  • Eine Befragung des Zentrums für Türkeistudien von türkischen Migrantinnen und Migranten in NRW ergab ein sehr hohes Ausmaß an Diskriminierungserfahrungen: 2004 gaben 77% der Befragten an, einmal oder mehrmals diskriminiert worden zu sein (1999 waren es 65%). Die Befragten sahen sich mit 57% der Nennungen am häufigsten im Lebensbereich Arbeitsplatz/Schule/Universität benachteiligt. Es folgen die Bereiche Wohnungssuche (49%), Arbeitssuche (48%) und Behörden (39%). Weitere Nennungen beziehen sich auf die Nachbarschaft, Einkaufen, Polizei, Diskotheken, Gerichte und Gaststätten. (Ergebnisse der sechsten Mehrthemenbefragung 2004 )
  • In einer Erhebung des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V., wurden 654 deutsch-ausländische Paare nach ihren Erfahrungen bei Eheschließung und Familiennachzug befragt: 82% fühlten sich durch das Verwaltungsverfahren gegenüber deutsch-deutschen Paaren benachteiligt. Als häufigsten Grund nannten sie, dass sie wegen des unsicheren Aufenthaltes der Partnerin/des Partners nicht frei über den Zeitpunkt und den Ort der Eheschließung bestimmen konnten (65%). Diskriminierende Äußerungen seitens der Behörden erlebte jedes dritte Paar (35%). (Mit rechtlicher Gleichstellung gegen Diskriminierung. Abschlußbericht des EU-Projekts "fabienne", Dezember 2001)

Weil eine systematische Erfassung von Diskriminierung fehlt, basieren die meisten Erkenntnisse auf Teilerhebungen und -studien, auf Erfahrungsberichten von Betroffenen und der Dokumentation von Diskriminierungsfällen durch Antidiskriminierungsinitiativen. Wir dokumentieren nachfolgend einige Beispiele von Benachteiligung aus Sicht der Betroffenen. Sie illustrieren das Spektrum von Benachteiligung in unterschiedlichen Bereichen.

"Das Wort ‚Überalterung' diskriminiert ältere Menschen. Die Sprache ist sehr verräterisch: Eine ‚Über'-Alterung heißt automatisch, dass das Älterwerden etwas Unnormales ist, das man so nicht einfach hinnehmen kann. Und natürlich wird aus diesem ‚unnormal' schnell ein ‚unsozial' oder ein ‚unverschämt'. Ich finde es unerträglich, dass den älteren Menschen, die nichts dafür können, dass sie nun einmal älter werden, gesagt wird: ‚Es ist nicht normal, dass du noch da bist. Denk an die Statistik und kratz ab!' Ich würde daher den Begriff ‚überalterte Bevölkerung' gerne als Unwort des Jahres vorschlagen. Es ist ein vollkommener Quatsch, dass ältere Menschen nichts mehr leisten können. Die meisten Menschen sind bis zu ihrem 80. Lebensjahr absolut fit und lebensfroh. Die Politik muss Anreize für Arbeitgeber schaffen, die ‚Älteren' im Betrieb zu behalten und die Diskriminierung älterer Menschen abschaffen. Es muss eine Art von ‚Political Correctness', Politischer Korrektheit, einziehen. Und die fängt schon bei der Sprache an. (...) Wir sollten uns nicht unser Selbstwertgefühl kaputt reden lassen. Niemand zweifelt daran, dass junge Menschen prima sind. Dass sie fabelhaft aussehen und tolle - wenn auch manchmal ein wenig verrückte - Ideen haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir nicht ebenfalls fabelhaft aussehen - wenn auch ein wenig anders; dass wir nicht tolle, manchmal ebenfalls verrückte Ideen haben - wenn auch ein wenig andere - und dass wir nicht mit unserer Lebenserfahrung und Lebenslust ein ganz wertvoller Teil der Menschheit sind."

Quelle: Diskriminierung älterer Menschen, br-online.de, Stand: 24.01.2003


"Vor zwei, drei Jahren habe ich mal was erlebt. Ich war einkaufen. Ich bin reingegangen in den Supermarkt, und da hat mich ein Kind gesehen. Auf einmal ein Geschrei: ‚Mama, guck mal, ein Affe!' Ich wurde total nervös. Und alle Leute im Geschäft haben mich angeguckt. Ich war die einzige Schwarze im ganzen Supermarkt. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich bin dann zu der Kleinen gegangen und habe gesagt: ‚Ich bin kein Affe. Ein Affe wohnt im Wald, und ein Mensch wohnt in der Stadt. Ich bin ein Mensch wie Du und Deine Mama. Bitte sag' das nicht mehr.' (...) Alle haben nur geguckt. Das ist immer bei den Deutschen so. Wenn was passiert, die gucken nur und sagen nichts. Ich bin sofort rausgegangen. Oh Gott, dieser Rassismus. (...)
Einmal war ich auch in der Schule. Ich war total sauer. Weil ein Mädchen hatte meine Tochter geschlagen. Meine Tochter hat geschrien. Und was die Lehrerin dann gesagt hat. Die hat nicht mit dem anderen Mädchen geschimpft, sondern hat zu meiner Tochter gesagt: ‚Mach kein Affentheater hier!' Die Kleine ist später nach Hause gekommen, hat geweint und mir davon erzählt. Deswegen bin ich in die Schule gegangen und habe die Lehrerin angesprochen: ‚Meine Tochter ist schwarz. Die Deutschen sagen immer, wir sind Affen. Und wenn Sie dann zu meiner Tochter sagen, 'Mach kein Affentheater', was meinen Sie damit?' Sie sagte dann, sie meint das nicht so, das sei eben ein deutsches Wort. Und dann habe ich gesagt: ‚Aber so können Sie nicht mit Schwarzen reden. Wenn ich auf der Straße gehe und jemand sagt so was zu mir, dann meint er mich.'"

Quelle: Dorothea Schütze: "Ich hatte kein Kleingeld ..." Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in Darmstadt, Darmstadt 1996, S. 74 und 77


"Ich bin seit elf Jahren im Wach- und Wechseldienst tätig. Dabei war ich in drei verschiedenen Behörden beschäftigt, bei denen ich jeweils die erste offen lebende Lesbe war. Ich hatte und habe mich doppelt zu beweisen, als Frau und als Lesbe.
In jeder der Behörden erlebte ich Diskriminierung, die sich insbesondere in Sprüchen und Beleidigungen äußerte. (...) Um sich vorzustellen, wie der Alltag einer lesbischen Polizistin ist, hier eine wirklich ganz alltägliche Geschichte, die das Ausmaß der Diskriminierung deutlich macht: Das Wort "schwul" wird von den Kollegen für alles benutzt, was als schlimm empfunden wird. Ein Einsatz war nicht etwas hart, ätzend oder anstrengend. Er wird auch nicht als besch... bezeichnet. Solch ein Einsatz wird als schwul bezeichnet. Dagegen täglich anzugehen, ist nicht nur sehr schwer, sondern kostet auch Kraft."

Quelle: Erläuterungen aus dem Polizeialltag, in: Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW (Hg.): Schluss mit der Diskriminierung von Lesben und Schwulen, Dokumentation eines Fachgesprächs vom 7. Mai 2004, Düsseldorf


"Du hast dunklere Haut, dunkle Haare. Man sieht, dass Du aus einem asiatischen Land kommst. Hast Du Erfahrungen gemacht von Ablehnung oder Situationen erlebt, in denen Du Dich angegriffen fühltest?
Eigentlich nein. Ich glaube, die Diskriminierung ist viel subtiler. Es ist nicht so, dass ich angegriffen oder direkt verletzt werde. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es eher das Nichtwahrnehmen. Du bist ihnen gleichgültig. Entweder bist du gar nichts, das heißt, du wirst gar nicht als Person wahrgenommen. Oder wenn du bemerkt wirst, dann nur als Exotin. (...) Die Wahrnehmung als Exotin, ist dann gleich mit Klischeebildern und einer Abwertung verbunden. Also, wenn man asiatisch aussieht, auch schon vor 20 Jahren, das war schon immer so, dann werden dir Sachen zugeschoben. Ich als Person werde nicht wahrgenommen, als Frau mit einem bestimmten Hintergrund, mit bestimmten Eigenschaften. Sondern es klickt dann sofort: Klar, eine Thailänderin. Ob er sie vielleicht gekauft hat und so weiter. Da fängt dann schon diese subtile Diskriminierung an."

Quelle: Dorothea Schütze: "Ich hatte kein Kleingeld ..." Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in Darmstadt, Darmstadt 1996, S. 111


"Ich als Muslima habe mitbekommen, dass die Leute Mädels, die Kopftuch tragen, nicht für selbstbewusst halten. Sie denken, dass wir nicht selbstbewusst sein können. Ich kam mal mit einer Frau ins Gespräch. Sie meinte, dass ich es mir noch einmal überlegen sollte mit dem Kopftuch und so. Später kam es im Gespräch auch auf das Zigarettenrauchen. Als sie hörte, dass ich rauche, sagte sie: ‚Gut, dass Du so selbstbewusst bist. Wenn Du Dich mit dem Kopftuch wohl fühlst, dann ist das Deine Sache.' Komisch, dass sie erst an mein Selbstbewusstsein glaubt, nach dem sie weiß, dass ich Zigaretten rauche.
Auch meine Lehrer meinen, dass ich zwar sympathisch bin, aber dass ich mein eigentliches Ich hinterm Kopftuch verberge und es nicht auslebe. Nachdem sie mitbekommen haben, dass ich rauche, sagten sie genauso: ‚Ah, Du bist ja doch selbstbewusst.' Muss man, um sein Selbstbewusstsein zu zeigen, unbedingt rauchen?"

Quelle: Dorothea Schütze: "Ich hatte kein Kleingeld ..." Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in Darmstadt, Darmstadt 1996, S. 91


"Durch die alltägliche Herabsetzung unserer Lebensweise in der Schule (Beschimpfungen auf dem Schulhof wie ‚du schwuler Penner' oder ‚du blöde Lesbe' etc.) trauen sich jedoch auch viele lesbische Lehrerinnen nicht, sich an ihrem Arbeitsplatz zu outen. Dies isoliert die lesbischen Lehrerinnen im Kollegium, weil sie es vermeiden müssen, Persönliches zu erzählen. Sie werden dann als arrogant, unnahbar oder unkommunikativ wahrgenommen. Es wird ihnen unterstellt, dass sie sich nicht in das soziale Gefüge integrieren wollen. (...)
Diese ‚versteckte' Lebensweise am Arbeitsplatz führt zu verschiedensten Benachteiligungen. Bei Versetzungen oder Bewerbungen kann die berufliche Situation der Partnerin nicht so berücksichtigt werden, wie das bei heterosexuellen (Ehe-)paaren möglich ist. Ist z. B. die Partnerin erkrankt und braucht dauernde Pflege, kann das nicht öffentlich gemacht werden, um die private Belastung bei der Stundenplanung oder beim sonstigen Einsatz zu berücksichtigen."

Quelle: Aus dem Schulalltag, in: Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW (Hg.): Schluss mit der Diskriminierung von Lesben und Schwulen, Dokumentation eines Fachgesprächs vom 7. Mai 2004, Düsseldorf.


"Ist die Angst vor Anschlägen schon immer da oder erst in letzter Zeit?
Misha: Die war schon immer da, aber jetzt noch mehr. Die Sicherheitsregeln wurden verschärft. Die jüngsten Anschläge haben gezeigt, dass man auf der Hut sein muss. (…)

Hast du selber Angst, dass dir etwas passieren könnte?
Misha: An der Uni kann ich laut sagen, dass ich Jude bin, da habe ich keine Angst, dass ich dadurch Nachteile bekomme. Aber ich hüte mich zum Beispiel davor, dass mein Foto irgendwo erscheint oder dass mein vollständiger Name und meine Anschrift rauskommt.

Wenn dich jemand fragt, sagst du dann, dass du Jude bist?
Misha: Ja. Also ich hab kein Problem damit. Aber ich würde es nicht an die große Glocke hängen, weil es Beispiele gibt, wo es schlecht ausgegangen ist.
Ilja: Das ist ja keine ansteckende Krankheit. Ich bin ein Mensch und ich habe kein Problem, Jude zu sein, möglicherweise haben andere Leute ein Problem damit, dann haben sie ein Problem mit mir. Aber ich sage es normalerweise nicht extra. (…)

Kommt es vor, dass ihr beschimpft oder diskriminiert werdet, weil ihr Juden seid?
Ilja: Hier in Deutschland nicht wirklich. In Russland schon.
Misha: Natürlich gehe ich nicht in die Öffentlichkeit und schreie: "ich bin Jude!" Dann weiß man ja, was man zu erwarten hat, insbesondere im Hinblick auf die Geschehnisse im Nahen Osten, da wird man automatisch in Verbindung gebracht. Obwohl man hier lebt und mit dem Geschehen dort wenig zu tun hat. (…)

Was hat das Tragen der Kippa für einen Sinn?
Misha: Ich habe sie immer dabei, aber ich trage sie nicht immer auf dem Kopf, weil man damit eigentlich allen sagen würde: "Ich bin jüdisch!" Und das ist in Deutschland viel zu gefährlich. Aber im Gottesdienst, wenn ich in der Gemeinde bin, wenn wir mit einer großen Gruppe unterwegs sind, trage ich sie gerne. (…)"

Quelle: Projektgruppe Jugend und Religion: If God ist a Dj … Religiöse Vorstellungen von Jugendlichen, hrsg. vom Archiv der Jugendkulturen, Berlin 2005, S. 76ff


"Ich war dort als Werkstudent. Und als Werkstudent musst du Dinge machen, die Lehrlinge machen. Du arbeitest im Labor, oder ab und zu holst du mal Sachen im Keller oder gibst etwas ab (...). Und da passieren Sachen! Ich weiß nicht, ob das Sitte ist. Ich habe mich oft gefragt, ob die sich wohl abgesprochen haben. Denn diese Hausmeister, die da im Keller sitzen, wo du irgendetwas abholst, die haben erfahren, dass ich Südamerikaner bin. Und die haben zu mir gesagt: ‚Ach, Südamerikaner, naja, ihr könnt ja wenigstens Fußball spielen. Nicht wie die anderen Kanacken.' Und damit hat er mir gesagt, naja, du bist zwar auch ein Ausländer, aber ihr könnt wenigstens Fußball spielen. Alles andere könnt ihr genauso wenig wie die anderen. (...)

Früher bin ich sehr oft durch den Wald Jogging gegangen. Das mache ich nicht mehr, denn, das muss ich schon sagen, dass ich Angst habe, dass ich inzwischen lieber im Bürgerpark auf dem Trainingsplatz meine Runden drehe. Im Wald alleine hätte ich Angst. Da triffst du junge Männer, manchmal mit Hund und so. Wenn da einer auf die Idee kommt, seinen Hund auf dich zu hetzen, dann hilft dir keiner."

Quelle: Dorothea Schütze: "Ich hatte kein Kleingeld ..." Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in Darmstadt, Darmstadt 1996, S. 165f


"Zum Alltag eines jeden Schwulen gehört es, süffisante Bemerkungen über sich ergehen zu lassen: ‚Huch, was ist es heute wieder warm hier...'. ;Da geh ich doch mal besser mit dem Rücken an der Wand vorbei...' (...) Häufig bleibt es jedoch nicht bei solch zweideutigen Bemerkungen. Es geht auch deutlicher. Im Bereich der Justiz hört sich das gelegentlich auch viel konkreter an: Bei älteren Kollegen (...) hört man nicht selten Sätze wie: ‚Solche Leute hätte ich vor 30 Jahren noch verurteilt...' Es gibt andere Fälle: Da weigert sich z.B. ein Richter, es klingt unglaublich, aber es ist wahr, Akten eines schwulen Kollegen zu bearbeiten - aus Angst vor einer Ansteckung mit Aids. (...)

Ein besonderes Problem für Lesben und Schwule im Justizdienst erwächst aus einer ganz anderen, sehr speziellen Erfahrung. Nicht selten hat die Justiz mit schwulen Straftätern zu tun, die im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch verurteilt werden. Diese traurige Erfahrung führt im Kopf vieler Kollegen zu einem fatalen Klischee: Schwul, das ist für viele gleichzusetzen mit Kinderschänder! ... Schwul gleich Kinderschänder! Ein Vorwurf, der immer wieder laut wird. Ein Vorwurf, der trifft, der tief sitzt und der leider von vielen in unserer Gesellschaft bewusst oder unbewusst als starke Waffe gegen uns eingesetzt wird."

Quelle: Beispiele aus dem Justizalltag, in: Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW (Hg.): Schluss mit der Diskriminierung von Lesben und Schwulen, Dokumentation eines Fachgesprächs vom 7. Mai 2004, Düsseldorf


"Behördenmitarbeiter/-innen wenden nicht nur diskriminierende rechtliche Bestimmungen an, sondern unterstützen diese Praxis oft durch eigene diskriminierende/beleidigende Äußerungen. In unserer (…) Untersuchung beklagten ein Drittel der von uns in Deutschland befragten 654 Paare diskriminierende/beleidigende Äußerungen durch Mitarbeiter/-innen von Standesämtern, Ausländerbehörden sowie deutschen Auslandsvertretungen. Einige Beispiele:
‚Ihr Pech, dass alles so kompliziert ist. Warum mussten Sie denn einen Ausländer heiraten?'
‚Haben Sie keinen Deutschen gefunden?'
‚Sie sind doch eine intelligente Frau. Nach Erteilung der Aufenthaltserlaubnis ist der sowieso weg.'
‚Das Verfahren ist so aufwendig, damit Sie vor solch einer Ehe geschützt werden.'
Die Ausländerbehörden wurden von einem Drittel der Befragten als unfreundlich bis sehr unfreundlich bewertet, mit deutschen Auslandsvertretungen hatte sogar mehr als die Hälfte der Paare schlechte bis sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Rund ein Drittel fühlte sich durch Bemerkungen wie diese diskriminiert:
‚Was ist das für ein komischer Name?'
‚Asylbewerber heiraten nur wegen der Aufenthaltserlaubnis.'
‚Wie viel Geld haben Sie denn für die Heirat bekommen?'
Die beispielhaft genannten Äußerungen offenbaren Einstellungen und Haltungen, die durch ein Gesetz allein nicht verändert werden. Haltungen, Einstellungen und damit Verhaltensweisen sind oft tradiert und werden ohne zu Hinterfragen übernommen. Individuelle Erfahrungen und Erlebnisse kommen hinzu und bilden so die Grundlage für das Verhalten auch von Behördenmitarbeiter/-innen."

Quelle: Verband Binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.: Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetztes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien, März 2005


"Vor zwei Tagen habe ich mich um einen 400 Euro Job beworben, weil ich keine Chance auf eine Ganztagsarbeit habe, um die ich mich seit drei Jahren vergeblich bemühe. Ich hatte noch nicht einmal ‚Guten Tag' zu der Filialleiterin gesagt, da sagte diese zu mir, sie hätte eben erst bemerkt, wie alt ich sei, und dass sie mich gar nicht zu der Vorstellung gebeten hätte, hätte sie früher auf das Alter in meiner Bewerbung geschaut.

Ich werde dieses Jahr 50. Ich habe 2 Kinder im Haushalt, die über 18 sind, aber noch kein eigenes Einkommen haben (...). Das Schlimmste ist, keine Hoffnung zu haben, denn so, wie diese Filialleiterin, reagieren doch die meisten Chefs. Vor 10 Jahren hat man mich gefragt, wer denn für die Betreuung meiner Kinder da sei, wenn ich arbeite. Heute bin ich zu alt."

Quelle: Wenn ich gewusst hätte, dass sie schon 50 sind, Büro gegen Altersdiskriminierung e.V., www.altersdiskriminierung.de


"‚Ich spreche gut Deutsch, fast akzentfrei ... Als ich mich mal um eine Wohnung bemüht habe, bekam ich die Wohnung aufgrund meiner Nationalität nicht. Am Telefon fragte die Vermieterin, warum ich denn so einen ausländischen Namen hätte, ob ich mit einem Ausländer verheiratet wäre. Als ich antwortete, ich sei Türkin, meinte die Frau, sie vermiete nicht an Ausländer (...). Persönlich fühle ich mich nicht diskriminiert, weil ich mich immer gut wehren konnte. Ein Problem sind vielleicht meine Kinder. (...) Im Wohnbereich gibt es bei vielen Freunden Probleme, weil sie in viel zu kleinen Wohnungen wohnen, aber aufgrund der Nationalität so schnell keine größere Wohnung bekommen' (alleinerziehende Deutsche türkischer Herkunft).

‚Wenn ich anrufe wegen einer Wohnung, heißt es sofort, die Wohnung sei weg. Meine Schwiegertochter ist Deutsche. Wir haben dann sie anrufen lassen. Sie wurde sofort zur Besichtigung eingeladen. Wenn wir alle erschienen, war der Schock da. Sie waren so unverschämt, dass sie in unserer Anwesenheit meine Schwiegertochter anmachten, was denn mit diesen Schwarzköpfen sein solle (...). Jetzt haben wir aufgegeben. Also wir wollen jetzt kaufen, damit wir nicht mehr solche Situationen erleben.' (Türke)"

Quelle: Planerladen e.V. (Hg.): Anti-Diskriminierungsprojekt im Wohnbereich, Dortmund 1999, S. 51


"Herr W. ist einer seiner Kolleginnen beim Ausziehen des Mantels behilflich. Er wendet sich dabei grinsend an die übrigen Anwesenden aus der gleichen Abteilung und sagt: ‚Das ist meine Lieblingsbeschäftigung: Frauen ausziehen.'

Peter S., 17 Jahre, wird von seinem Ausbildungsleiter Herrn Meyer zu einer Besprechung in dessen Büro bestellt. Herr Meyer sitzt an seinem Schreibtisch, hinter ihm eine Pinwand mit Notizzetteln, Urlaubspostkarten und auch zahlreichen Fotos mit Pin up girls in eindeutigen Posen. Peter, der direkt gegenüber sitzt, ist die Situation sehr peinlich. Er kann Herrn Meyer nicht ansehen, ohne gleichzeitig die Fotos im Blick zu haben. Er weiß nicht, wohin mit seinem Blick und kann sich nicht richtig auf das Gespräch konzentrieren. Hinterher ist er sich nicht sicher, ob er alle Anweisungen richtig verstanden hat und erledigt seine Aufgabe unter dem ständigen Druck, etwas falsch zu machen.

Frau 0. sitzt in der Pause im LehrerInnenzimmer. In der Teeküche nebenan unterhalten sich Kolleginnen über die neuesten Ereignisse in der Berufsschule. ‚Der Schumann konnte seine Finger wieder mal nicht bei sich behalten und ist bei der kleinen Schulz ein bisschen zu weit gegangen. Jetzt haben die Eltern sich beim Direktor beschwert und wollen eine Anzeige machen. Ausgerechnet die Schulz, wie die rumläuft, reizt die doch jeden Mann, da braucht sie sich nicht zu wundern. Von Schumann wissen doch alle, das er hinter jedem Rock her ist!'

Frau E. arbeitet als Küchenhilfe mit einem auf drei Monate befristeten Aushilfsvertrag in einem Krankenhaus. Als sie am Morgen die Küche betritt, kommt ihr der Küchenleiter entgegen und ruft ihr zu: ‚Jetzt aber hopp hopp. Nicht so müde. Sie haben heute aber wieder Ringe unter den Augen. Da müssen Sie es heute nacht ja mal wieder ordentlich getrieben haben. Wenn da mal nicht die Arbeit drunter leidet.'

Frau E. verschlägt es die Sprache. Sie bekommt einen roten Kopf, senkt den Blick und geht einen Schritt schneller. Die anwesenden Kolleginnen tun so, als hätten sie nichts bemerkt.

Frau D. ist Chefsekretärin und arbeitet erst seit ein paar Tagen im Unternehmen. Als sie ihrem neuen Chef am Anfang der zweiten Woche die Postmappe hineinreicht, sagt er zu ihr: ‚Wann schlafen Sie denn mit mir?' Frau D. entgegnet: ‚Sagen Sie so etwas nicht zu mir.' Sie verlässt daraufhin den Raum. Der Vorgesetzte wiederholt in den folgenden Wochen mehrmals diese Frage, während sie sich immer in ähnlicher Weise abgrenzt. In der dritten Woche sagt er zu ihr: ‚Sagen Sie mal, warum wehren Sie sich eigentlich so dagegen, mit mir zu schlafen, mit keiner habe ich so viele Schwierigkeiten wie mit Ihnen. Warum stellen sie sich eigentlich so an?'

Quelle: Ebba Ache/Heike Pich: "Das kommt bei uns nicht vor!". Arbeitsmaterialien zu sexueller Diskriminierung am Ausbildungsplatz, Herbolzheim 2005, S. 135


"Aber da sind Sachen passiert, sage ich Dir. Einmal waren wir zusammen hier zu Hause. Ich male sehr gerne, und sie auch. Wir saßen am Tisch. Und da sagt sie zu mir: ‚Mama, gib' mir doch mal den Hautfarbe-Stift.' Und ich frage sie: ‚Was? Hautfarbe?' Und sie sagt: ‚Ja, der da, der rosafarbene Stift.' Und ich sage zu ihr: ‚Der Stift ist rosafarben, nicht hautfarben.' ‚Ja, ich weiß, Mama, aber die anderen sagen das in der Klasse. Das ist hautfarben.' Und ich sage: ‚Aber das stimmt doch nicht. Welche Hautfarbe? Meine Hautfarbe jedenfalls nicht.' Und da hat sie angefangen zu weinen. Und ich habe zu ihr gesagt: ‚Weißt Du, wenn Du den hautfarbenen Stift willst, musst Du mir dazusagen, welche Hautfarbe. Zum Beispiel die Hautfarbe der Deutschen. Oder die rosa Hautfarbe. Weil ich habe doch auch eine Hautfarbe.'

Und dann habe ich bei einem Elternabend in der Schule einmal darüber gesprochen. Und da haben manche Eltern gesagt: ‚Ja, wir haben das so gelernt, das ist die Hautfarbe, und damit Punkt.' Und ich habe sie gefragt: ‚Ja, habe ich eine Hautfarbe oder nicht? Und was stimmt mit dem Ton dieser Farbe nicht?' Das sind immer so kleine Sachen, die meine Tochter auch ständig erlebt."

Quelle: Dorothea Schütze: "Ich hatte kein Kleingeld ..." Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus in Darmstadt, Darmstadt 1996, S. 140


"Rund 90% der privaten Lebens- und Krankenversicherungen weigern sich, mit schwulen Männern Verträge abzuschließen, weil sie das ‚AIDS-Risiko' fürchten. Sie fragen aber nicht nach der sexuellen Identität der Antragsteller, noch verlangen sie vor dem Abschluss einen HIV-Antikörpertest, sondern lehnen den Vertragsabschluss ohne Begründung ab, wenn der Antragsteller in Eingetragener Lebenspartnerschaft lebt oder wenn er in seinem Antrag einen anderen Mann als Begünstigten benannt hat. Die Abgelehnten werden in eine ‚Schwarze Liste' aufgenommen mit der Folge, dass sich auch alle anderen Versicherer weigern, mit ihm einen Vertrag abzuschließen."

Quelle: Manfred Bruns: Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsrichtlinien, März 2005


"Immer wieder kommt es vor, dass behinderten Menschen der Abschluss eines Vertrages verweigert wird:
- Behinderte werden in Restaurants nicht bedient
- Mietverträge z.B. über Ferienwohnungen werden generell nicht mit Rollstuhlfahrern abgeschlossen
- Blinden Menschen wird das Blutspenden verweigert
- Versicherungen weigern sich generell, mit behinderten Menschen einen Versicherungsvertrag abzuschließen

Dies sind nur einige der Benachteiligungen, denen behinderte Menschen immer wieder ausgesetzt sind. Viele können nicht verstehen, dass all diese Benachteiligungen mit dem Institut der Vertragsfreiheit vom Recht sanktioniert werden."

Quelle: Stellungnahme des Forums behinderter Juristinnen und Juristen zum Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Antidiskriminierungsregelungen, März 2005


"Als ‚einen ausgemachten Skandal' bezeichnet es der Rechtsreferent des NETZWERK ARTIKEL 3, Alexander Drewes, dass die Deutsche Bahn AG es blinden Menschen z.B. in Düsseldorf neuerdings erheblich erschwert, selbstständig ein Ticket zu lösen. Hier hat die Bahn ein System eingeführt, das zunächst eine Ziffernkarte gezogen werden muss, ehe man ein Ticket lösen kann, nachdem die Ziffer - ausschließlich visuell - aufgerufen wird. Natürlich arbeitet bereits das System ohne jede blindentechnische Einrichtung. Vom Verkaufspersonal erhält der blinde Reisende die Auskunft, er könne sich ja problemlos bei anderen Kunden erkundigen, wann er an der Reihe sei. ‚Nachdem die DB AG es körperlich eingeschränkten Reisenden seit jeher erschwert hat, mit ihr zu reisen, macht sie dies nun auch für sinnesbehinderte Menschen zunehmend schwerer, teilweise sogar unmöglich', so Drewes. Ob bei der kostenlosen elektronischen Fahrplanauskunft die Ansage der Gleise ‚vergessen' wird (...) oder in Fernzügen der nächste Halt ohne Anschlusszüge angesagt wird, die Interessenlagen behinderter Menschen würden bei der Deutschen Bahn AG eigentlich selten bis nie wirklich mitbedacht.

Quelle: Bahn erschwert Blinden das Reisen, kobinet-nachrichten v. 31.10.02


"‚Eine Region in Angst' - so der bezeichnende Titel eines ebenso einseitigen wie negativen Beitrags, den der Fernsehsender SAT1 (...) ausstrahlte. Die Region war der Ort Korbach in Hessen, für Angst sorgen dort angeblich jugendliche Deutsche aus Russland. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland protestiert mit Nachdruck gegen eine Berichterstattung wie diese, deren Ziel es offenbar nicht ist, die Wirklichkeit darzustellen und zu informieren, sondern in reißerischer Oberflächlichkeit eine Volksgruppe zu diffamieren - der Titel ‚Eine Region in Angst' spricht Bände.
Lassen Sie uns das anhand einiger Beispiel illustrieren: Sämtliche Jugendlichen, die in dem Beitrag zu Wort kommen, sind Schüler bzw. Auszubildende oder arbeiten bereits, sind integriert und nicht kriminell. In dem Beitrag wird aber der Eindruck erweckt, als gehörten sie zum Kreis der russlanddeutschen Kriminellen, von denen die Region angeblich terrorisiert wird. Der in der Sendung erwähnte Mordfall, an dem ein Aussiedler als Täter beteiligt war, liegt sage und schreibe acht Jahre zurück. Das ändert selbstverständlich nichts an der Tragik dieses Vorfalls, eignet sich aber in keiner Weise als Beweismittel für auffallende kriminelle Neigungen der Aussiedler, zumal vor drei Jahren in der gleichen Region ein Aussiedler aus Polen von einem Einheimischen ermordet wurde. Für besonders bezeichnend halten wir es, dass der Redakteur in seinem Beitrag keinen Platz fand für eine ganze Reihe von positiven Beispielen, von denen er im Laufe der dreitägigen Dreharbeiten erfuhr, und auch Interviews mit einem russlanddeutschen Hessenmeister und Integrationsmitarbeitern nicht aufnahm. Spätaussiedler sind eben, so der Eindruck, den der unbedarfte Zuschauer gewinnen musste, rundum schlechter und gefährlicher als der normale Bundesbürger.Bestätigen ließ sich der Redakteur diese Auffassung von angeblichen Experten, die von einer speziellen Kriminalitätsneigung der russlanddeutschen Spätaussiedler redeten und dabei gerade noch an genetischen Erklärungsversuchen vorbeischrammten.
Leider handelt es sich bei einer aussiedlerfeindlichen Sendung wie dieser um keinen Einzelfall. (...)"

Quelle: Negative Berichterstattung über Deutsche aus Russland - wie lange noch?, Presseerklärung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Stuttgart 2004


"‚Die Anschläge haben uns doppelt getroffen', erklärt Mariam, Sozialarbeiterin aus Cardiff. ‚Ich habe Angst, jetzt mit der U-Bahn zu fahren. Man schaut mich schief an. Ich wurde sogar auf der Straße als Terroristin beschimpft', sagt sie. ‚Natürlich gucke ich zweimal, wenn ich in der Metro junge Männer mit großen Taschen und Rucksäcken sehe', erklärt Mariams Freundin Fausia. Die jungen Frauen, Töchter somalischer Einwanderer, sind in Großbritannien aufgewachsen. Sie versuche allerdings, nicht auf die Hautfarbe zu achten. ‚Es ist doch furchtbar, den eigenen Glaubensbrüdern mit Misstrauen zu begegnen', sagt sie, und ihre Verwirrung spiegelt den Zwiespalt, in dem sich viele der Jugendlichen befinden. ‚Der Islam hat mit Terror nichts zu tun!', sagt Fausia, und die Umstehenden nicken. Doch wie erklären sie sich, dass junge Männer quasi aus ihrer Nachbarschaft zu lebenden Bomben wurden? ‚Sicherlich spielt Frustration eine Rolle. Wenn man auf Palästina und den Irak schaut, dann kann man schon wütend werden', sagt Mustafa. Der Student passt mit seinem flaumigen Bart gut ins Raster des Misstrauens. Wenn er seinen Rucksack dabeihat, dann machen Menschen einen Bogen um ihn. Auch das macht ihn wütend. ‚Ich glaube allerdings nicht, dass man allein über die Wut auf die westliche Politik zum Attentäter wird. Dazu gehört auch noch eine Gehirnwäsche. Die Skrupel davor, Unschuldige umzubringen, die muss man auch noch verlieren.' Die Brüder Selbstmordattentäter seien vom rechten Glauben abgekommen, so das Fazit von Mustafa."

Quelle: Julia Gerlach: Kuschel-Scheich, Die Zeit v. 25.8.2005


"Nach inzwischen amtlich bestätigten Plänen will die Bundesregierung Behinderte zur Sanierung des Bundeshaushalts diskriminieren. Behinderte sollen künftig Fahrkarten für U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse kaufen, wenn sie den näheren Umkreis ihres Wohnorts verlassen. ‚Dadurch werden Behinderte von der Teilhabe am normalen Leben ausgeschlossen (...),' erklärt Rainer Engel, Rechtsreferent des Fahrgastverbandes Pro Bahn. ‚In ganz Deutschland gibt es nämlich keine behindertengerechten Fahrscheinautomaten. Uns wundert, dass die Diskriminierung der Behinderten beim Fahrscheinkauf völlig übersehen wurde. Während Fahrzeuge und Stationen von Bahnen und Bussen immer barrierefreier werden und Behinderte daher immer leichter selbständig reisen können wie normale Bürger, will die Bundesregierung die Behinderten kriminalisieren, wenn sie den Umkreis ihres Wohnorts verlassen.' Die Verkehrsunternehmen in Deutschland waren bisher nicht genötigt, barrierefreie Fahrkartenautomaten aufzustellen, weil alle Behinderten, die Automaten nicht bedienen können, den öffentlichen Verkehr gegen eine pauschale Zahlung von 5 Euro monatlich barrierefrei benutzen können."

Quelle: Bundesregierung übersieht Diskriminierung der Behinderten an Fahrgastautomaten, Presseerklärung des Fahrgastverbandes Pro Bahn v. 13.06.04